“Illegale Waffeln”

Illegale Waffeln anlässlich des internationalen Tags der Biodiversität:

Was ist Biodiversität? Wozu brauchen wir sie? Warum verlieren wir kontinuierlich Arten, Gene und ganze Ökosysteme – schneller als je zuvor in der Geschichte? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Was wird uns das kosten? Und wie können wir diese Entwicklung umkehren? Diese und ähnliche Fragen werden 2010, dem internationalen Jahr der Biodiversität, während des ganzen Jahres breit diskutiert. Ziel ist es, den Menschen die Bedeutung von biologischer Vielfalt für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung näher zu bringen.

Der 22. Mai ist dabei ein besonderer Tag: An diesem Datum begeht die Welt jedes Jahr den Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt. Er bietet beste Chancen, um die öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was auf dem Spiel steht.

Uns ging es am 22. Mai besonders darum, den Fokus auf die schwindende Agrobiodiversität (d.h. auf die Vielfalt von Nutzpflanzen) zu lenken.

Und was haben unsere Waffeln damit zu tun?

Um auf den Rückgang der Sorten- und Artenvielfalt in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen, haben wir am 22. Mai 2010 eine kleine “illegale” Aktion auf dem Göttinger Wochenmarkt gestartet.


Die Zutaten für die Waffeln

Die Zutaten für die Waffeln

Die Zutaten für die Waffeln

Die Zutaten für die Waffeln

Waffeln

Schon einmal illegale Waffeln probiert?


Wir haben Waffeln aus alten Getreidesorten (Winterweizen Trittauer Goldkorn) und (Sommerweizen blaukörniger von Tschermak) gebacken und auf dem Göttinger Wochenmarkt verkauft. Laut europäischem Saatgutverkehrsrecht ist das Inverkehrbringen von diesem Saatgut  strikt verboten, denn gehandelt werden dürfen NUR SORTEN, die im europäischen Sortenkatalog eingetragen sind. Das Verkaufen von Weizensorten, die nicht im EU-Sortenkatalog eingetragenen sind (wie unserem Trittauer Goldkorn und unserem blaukörnigen von Tschermak) ist illegal.

Und warum???

Flyer für die Waffelaktion

Der Flyer für die Waffelaktion zum Ausdrucken

Das ist eine gute Frage. Das Saatgutverkehrgesetzt soll – so die offizielle Argumentation – die Verbraucher und die Landwirte vor schlechten Sorten schützen. Es schreibt eine Reihe von Kriterien vor, die Nutzpflanzensorten erfüllen müssen. Diese Kriterien sind aber auf die industriellen Hochertragssorten zugeschnitten und nicht an Kriterien der ökologischen Landwirtschaft ausgerichtet. So erhalten beispielsweise gentechnisch veränderte Sorten ohne Weiteres eine Zulassung, während regionale Sorten häufig auf Grund ihrer genetischen Variabilität nicht zugelassen werden. Die Kosten für das Zulassungsverfahren stehen zudem in keinem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Bedeutung seltener regionaler Sorten.

Dieses Gesetz führt dazu, dass nur noch einige wenige universelle Hochertragssorten kommerziell angebaut werden, was einen massiven Rückgang der Sortenvielfalt bedingt. Von den 200.000 verschiedenen Weizensorten, die bekannt sind, werden nur etwa 10 Sorten in Europa kommerziell angebaut. Von den 2.500 verschiedenen Apfelsorten, die in Deutschland wachsen, finden sich nur etwa 30 Sorten im Handel wieder.

Statt einer Vielfalt, fördert das Saatgutgesetz somit die Macht einiger weniger großer Agrarkonzerne. Bereits heute werden 67 % des weltweiten Saatgutes von nur zehn großen Saatgutkonzernen dominiert.

Mit unserer Aktion wollten wir auf die schwindende Vielfalt auf unseren Tellern und auf den Äckern hinweisen!!! Nach dem Prinzip „essen was gerettet werden soll“ fordern wir dazu auf ,alte Sorten anzubauen, zu vermarkten und zu essen!!!

… die Aktion kam an: über 60 Waffeln haben wir an interessierte Passanten verkauft, die uns neugierig zugehört haben.

Weitere Infos zum europäischen Saatgutgesetz und zur Agrobiodiversität findet ihr auch unter:

http://www.saatgutkampagne.org/Saatgutkampagne_Aufruf_DE.pdf


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