Saatgut

Das Jugendumweltnetzwerk JANUN-Göttingn e.V. organisiert in Kooperation mit den Internationalen Gärten-Göttingen und dem BUND-Göttingen das Projekt „Nutzpflanzen säen – Vielfalt erfahren“

Hintergrund des Projektes sind die aktuellen Vereinheitlichungen der Saatgutgesetze auf EU-Ebene und die Anmeldung von Patenten auf Saatgut und Pflanzen in Europa.

Hintergrundinfos :

Derzeit wird das europäische Saatgutverkehrsgesetz überarbeitet und europaweit vereinheitlicht. Das Saatgutverkehrsgesetz schreibt vor, welche Nutzpflanzensorten kommerziell gehandelt werden dürfen.

Laut Gesetzgebung dürfen nur Sorten auf den Markt gebracht werden, die einen Eintrag im EU-Sortenkatalog haben. Die Kriterien für die Aufnahme in den Katalog sind an industriellem Saatgut ausgerichtet, viele traditionelle, regionale Landsorten, aber auch neue Sorten, die für die ökologische Landwirtschaft geeignet sind, finden im EU-Sortenkatalog keine Zulassung. Darüber hinaus sind die Kosten für die Aufnahme in den Sortenkatalog so hoch, dass sich für viele regionale Sorten der finanzielle Aufwand nicht lohnt.

Da diese Regelung die Sortenvielfalt in der Landwirtschaft stark reduziert, wurden 2008 und 2009 zwei Erhaltungssortenrichtlinien (Richtlinie 2008/62/EG und Richtlinie2009/145/EG) erlassen, die es auch sogenannten Erhaltungsorten und BB-Sorten (“Sorten, die für den Anbau unter besonderen Bedingungen gezüchtet werden”) ermöglichen soll, auf den Markt zu kommen.

Nach Einschätzung von Erhaltungsinitiativen, wie etwa dem Dreschflegel oder der Arche Noah, verfehlt die Erhaltungssortenrichtlinie aber ihr eigentliches Ziel. Verschiedene bürokratische Hürden, wie etwa die enge Bindung der Sorte an die Ursprungsregion oder die vorgesehenen Mengenbeschränkungen und die damit einhergehenden Meldepflichten erschweren die Anmeldung von Erhaltungssorten mehr, als dass sie diese fördern.

Neben dem Saatgutverkehrsgesetz treten auch im Bereich des Sortenschutzes derzeit in Europa Veränderungen ein. Mit der Überarbeitung des gemeinsamen Sortenabkommen (UPOV 1991) und dessen Implementierung in verschiedenen europäischen (und außereuropäischen) Ländern wird das Landwirteprivileg eingeschränkt. Der Nachbau von Sorten, auf die Sortenschutz angemeldet ist, ist seit UPOV91 für Landwirte nicht mehr kostenfrei möglich.

Auch werden seit den späten 1990er Jahren zunehmend Patente auch auf nicht-gentechnisch veränderte Pflanzen angemeldet, was laut Europäischem Patentübereinkommen (EPÜ) aber eigentlich verboten ist.

In Paragraf 53 des EPÜ heißt es:

Europäische Patente werden nicht erteilt für: [...]b) Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren“.

Trotzdem steigt die Anmeldung von Patenten auf konventionell gezüchtete Tiere und Pflanzen am EPA in den letzten Jahren kontinuierlich an. Insgesamt liegen mehr als 500 Patentanmeldungen auf konventionell gezüchtete Pflanzen beim EPA vor. (Quelle: Then, Christoph/ Tippe, Ruth: Saatgut und Lebensmittel)

Die Überarbeitung des Saatgutverkehrsgesetzes und die strengere Ausrichtung des Sortenschutzes stehen einer ökologischen Landwirtschaft, die auf Vielfalt auf Äckern, Tellern, in der Züchtung und in der Forschung setzt, entgegen.

Ziel des Saatgut-Projektes von JANUN ist es, herauszustellen, welche Folgen die Überarbeitung des Saatgutverkehrsgesetzes und die Patentierung von Saatgut für die LandwirtInnen, die KonsumentInnen und für die Biodiversität haben.

Die Beteiligung von Umweltgruppen und Saatguterhaltungsinitiativen aus verschiedenen europäischen Ländern soll helfen, die Auswirkungen einer einheitlichen europäischen Gesetzgebung für die verschiedenen Mitgliedstaaten zu beurteilen.

Außerdem soll durch den Anbau von Erhaltungssorten in verschiedenen europäischen Ländern ein praktischer Beitrag zum Erhalt der Biodiversität geleitet werden.

Die Projektidee:

Um der Vereinheitlichung in der Landwirtschaft entgegen zu wirken, wollen wir 2011 an möglichst vielen Orten in Europa seltene, traditionelle Nutzpflanzensorten aussäen und rekultivieren. Das Saatgut dieser Planzen soll gewonnen, getauscht, verschenkt und weiterverarbeitet werden.  Statt weniger industrieller Hochertragssorten wollen wir Vielfalt in Gärten, auf Äckern und auf unseren Tellern!
In Göttingen, Barcelona und bei Lissabon sind bereits Gartenflächen für das Projekt organisiert und die Recherche nach Saatgut von alten Landsorten ist in vollem Gang. Neben der praktischen Arbeit wollen wir uns auch auf politischer Ebene in das Thema einmischen. Im Herbst, wenn das Saatgut der Pflanzen gewonnen wurde, wird es bei Barcelona ein Austausch-Camp geben, bei dem das selbst gewonnene Saatgut, aber auch die im Laufe des Projekts gewonnenen Erfahrungen, politische Inhalte und Ansichten ausgetauscht werden.

Wir freuen und über viele Leute, die an vielen Orten mitmachen!!
Wenn an vielen Orten in Europa alte Sorten rekultiviert werden und das Saatgut in Umlauf gebracht wird, können wir der Monopolisierung und der Vereinheitlichung auf dem Saatgutmarkt etwas entgegen setzen!
Wenn ihr keinen Garten habt, könnt ihr auch gerne nur ein oder zwei Sorten bei euch auf dem Balkon anbauen.
Das Saatgut von Erhaltungssorten könnt ihr auf Nachfrage bei uns bekommen.

Bisher am Projekt beteiligte Organisationen:

Can Piella (Spanien)

Gaia (Portugal)

Saatgutkampagne (Deutschland)

BUND Göttingen

Transition Town Witzenhausen

Transition Town Göttingen

Flyer:

Seed Flyer 1

Seed Flyer 2

Kurzfilm: Let’s liberate diversity

Das Projekt “Nutzpflanzen säen – Vielfalt erfahren wird durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert.

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