Wer die Saat hat…

…hat das Sagen. Ein Buchprojekt von Janun Göttingen e.V.

Rasanter Verlust der Kulturpflanzenvielfalt, enorme Konzentration einiger weniger
Saatgutunternehmen auf dem globalen Markt, Skandale um gentechnikähnliche
Züchtungsmethoden in Bio-Lebensmitteln – diese und ähnliche Nachrichten haben
bewirkt, dass die Brisanz des Saatgutthemas in den letzten Jahren vermehrt
wahrgenommen wurde. Dennoch ist die Politik rund um ‚s Saatkorn, Ursprung nahezu
jeder Mahlzeit, die wir Menschen zu uns nehmen, häufig ein blinder Fleck in politischen
Debatten sowie in Gärten und auf Feldern.

Unter dem Arbeitstitel „Wer die Saat hat, hat das Sagen“ arbeitet Janun Göttingen e.V. an
einem allgemeinverständlichen Buch, welches dieses oft als so abstrakt wahrgenommene
Thema mit lebendigen Geschichten und fundierten Sachinformationen greifbar macht. Mit
gründlicher Literaturrecherche und in Interviews mit Erhaltern alter Sorten, Bäuerinnen,
Samengärtnern, Züchterinnen, Aktivistinnen, urbanen Gärtnern, Wissenschaftlerinnen und
Akteuren staatlicher Strukturen wird den Fragen nachgegangen: Wer hat das Sagen über
unser Saatgut? Was bedeutet das für Bäuer*innen und Gärtner*innen weltweit, und wer
profitiert davon? Und wie könnte eine lebendige Praxis der Saatgutsouveränität aussehen,
in der Entscheidungen über den Umgang mit Saatgut vor Ort von den Menschen getroffen
werden, die damit alltäglich beschäftigt sind? In welchem Rahmen findet eine
selbstbestimmte, vielfältige Saatgutarbeit heute statt? Der Fokus liegt bei diesen Fragen im
deutschsprachigen Raum, jedoch werden im Buch Ausblicke in unterschiedlichste
europäische und außereuropäische Länder gegeben.

   gg
Hintergrund
Über Jahrtausende hinweg haben Bäuerinnen und Bauern Saatgut selbst gewonnen,
verbessert und miteinander getauscht. So hatten die Bäuer*innen selbst das Sagen –
darüber, welche Kulturpflanzen sie anbauen, welches Saatgut sie dafür verwenden, und
was sie mit ihrem Saatgut machen. Durch die lokale, bäuerliche Züchtung wurde in den
letzten Jahrtausenden eine enorme Vielfalt an Kulturpflanzen erschaffen. Die zunehmende
Industrialisierung und Vereinheitlichung der Landwirtschaft, restriktive Gesetze und die
Monopolisierung der Saatgut- und Agrarchemiekonzerne haben in den letzten 100 Jahren
zu einer drastischen Veränderung dieser Situation geführt. Seit der Entwicklung von
Hybridsaatgut konnte Saatgut zu einer profitablen Ware gemacht werden. Züchtung und
Saatgutproduktion wurden zu einem spezialisierten Sektor deklariert, in dem die meisten
Entwicklungen weit entfernt von den Bäuer*innen in Laboren durchgeführt werden. Eine
enorme Aufkaufswelle von Saatgutunternehmen hat dazu geführt, dass heute nur drei
Unternehmen 50% des globalen Saatgutmarktes kontrollieren. Und die fünf größten
Saatgutunternehmen kontrollieren 96% des in der EU verkauften Gemüsesaatguts. Hiermit
geht eine Fokussierung auf wenige Hybridsorten und eine Ausrichtung der Züchtungsziele
an den Konzerninteressen statt an den Bedürfnissen der Bäuer*innen einher. Während die
bäuerliche Züchtung auf geschätzte 7000 Pflanzenarten zurückgreift, spielen in der
industriellen Züchtung nur etwa 150 Arten eine Rolle, von denen der Fokus auf nur 12
liegt. Die Gesamtheit dieser Entwicklungen haben zu der Reduzierung der weltweiten
Kulturpflanzenvielfalt um 75% in den letzten 100 Jahren geführt.
In Ländern auf der ganzen Welt werden neue Saatgutgesetze eingeführt, die Züchtungsarbeit, Vermehrung und Vermarktung von Saatgut in die Macht großer Konzerne
geben und Bäuer*innen die Lebensgrundlage rauben. Dennoch sind es Kleinbäuer*innen,
die den größten Teil aller Nahrungsmittel weltweit produzieren – und zwar mit eigenem
Saatgut, oder dem der Nachbarin! Global gesehen werden noch immer 68% des Saatguts
von Kleinbäuer*innen produziert.

 

Das Projekt wird gefördert von

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