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Das Saatgut-Projekt „Gärten der Vielfalt“

S A A T G U T ist neben Boden, Wasser und Sonne die Basis unserer Nahrungsmittelversorgung. Über Jahr­ tausende hinweg haben Bäuerinnen und Bauern Saatgut selbst gewonnen und miteinander getauscht. Hierdurch wurde eine große Vielfalt an lokalen und regional angepassten Kulturpflanzensorten garantiert und das Saatgut kontinuierlich an Veränderungen der Umweltbedingungen angepasst. Die zunehmende Industrialisierung der Landwirt­ schaft, restriktive Gesetze und die Monopolisierung der Saatgut­ und Agrarchemiekonzerne haben in den letzten Jahrzehnten zu einer drastischen  Reduzierung der Sortenvielfalt und zu einer Fokussierung auf wenige Hochertrags­ und Hybridsorten geführt. Diese Sorten werden nicht primär auf Geschmack, Qualität, Robustheit, Nährwert oder Anpassungsfähigkeit ge­züchtet. Bei der Züchtung dieser Sorten geht es hauptsächlich um Ertrag und die Eignung für industriellen Anbau, Weiterverarbeitung und Langstreckentransport in einem globalisierten Nahrungsmittelsystem. In Ländern auf der ganzen Welt werden neue Saatgut­gesetze eingeführt, die die Züchtungsarbeit und die Vermarktung von Saatgut in die Macht der großen Konzerne geben. Dies zerstört die Tier­ und Pflanzenvielfalt auf den Äckern und bedroht Ernährungssicherheit und kleinbäuerliche Interessen.

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Mit unserem S A A T G U T-­ P R O J E K T wollen wir einen positiven Beitrag leisten – gegen die Verein­heitlichung der Landwirtschaft, für mehr Vielfalt in Gärten, auf Äckern und Tellern – in Solidarität mit Kleinbäuerinnen und ­bauern!

Unser G A R T E N  Durch den Anbau von regio­nalen Landsorten, die in der kommerziellen, industriellen Landwirtschaft vernachlässigt werden, soll die Vielfalt der Nutzpflanzensorten ein Stück weit erhalten und rekultiviert werden. Unser Garten ist ein Ort der Bildung, an dem Menschen lernen können, Nahrungsmittel selbst anzubauen und Saatgut zu gewinnen und zu vermehren.

B I L D U N G  Neben der praktischen Arbeit im Garten findet im Rahmen unseres Projekts eine theoretische und politische Auseinandersetzung mit Themen wie Kulturpflanzenvielfalt, Saatgutsouveränität, alternative landwirtschaftliche Methoden und urbane Gärten statt. Durch Aktionen und Bildungsveranstaltungen (z.B. Garten­Aktionstage, Workshops, Saatgut­Tausch­börsen, Filmabende, Vorträge, Schul­AGs) sollen diese Themen zunehmend in die Öffentlichkeit gebracht werden. Bei unseren meist lokal stattfindenden Aktionen versuchen wir immer, die globalen Dimensionen der Thematik mitzudenken.

M I T E I N A N D E R  Ob Garten, Büro oder Veran­staltungen – in unserem Projekt stellen wir uns den Herausforderungen von Selbstorganisation und solidarischer, emanzipierter und hierarchiefreier Zusammenarbeit. Dieser Prozess ist nicht abgeschlos­sen: wir versuchen immer wieder, unsere Strukturen und Rollen zu hinterfragen und sind dabei offen für Ideen und Anregungen, die das alltägliche Miteinander und gemeinsame Gärtnern verbessern können.

N E T Z WE R K  Neben der Zugehörigkeit zum niedersächsischen Janun-­Netzwerk sind wir einge­bunden in europäische Grassroots­-Netzwerke, die sich mit Saatgut und alternativer Landwirtschaft beschäftigen (z.B. reclaim the fields, Saatgut­kampagne). In Göttingen unterstützen wir die Vernetzung der lokalen Gartenprojekte und sensi­bilisieren hier für die Saatgutthematik.

Hier unser Flyer!

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Unser G A R T E N   D E R    V I E L F A L T  ist vielfältig sowohl hinsichtlich der Sorten, die wir anbauen, als auch bezogen auf die Ideen, Träume und Visionen, die wir mit diesem Garten ausdrücken und ver­wirklichen wollen. Er soll ein Ort sein…

… an dem wir regionale, samenfeste Sorten erhalten und vermehren. Hybrid­- und gentechnisch verändertes Saatgut findet hier keinen Platz.

… den wir als Gemeingut alle gemeinsam nutzen. Hier gibt es keine Parzellen oder Bereiche, die einzelnen Menschen zugeordnet sind. Alles hier gehört allen!

… an dem wir Wissen über eines der elementarsten Dinge, den Anbau von Nahrungsmitteln, lernen, vermitteln und erhalten.

… an dem wir die Idee der Ernährungssouveränität thematisieren und einen kleinen Beitrag dazu leisten wollen. Landwirtschaftspolitik ist immer von den Menschen vor Ort selbst zu definieren und darf nicht durch globale Abkommen und transnationale Konzerne gestaltet werden.

… an dem wir ein Praxisbeispiel für solidarisches Miteinander aufzeigen wollen. Veränderung entsteht dezentral und weltweit durch Initiativen, Aufstände und Freiräume, in denen Bausteine für eine solidarische Gesellschaft erprobt werden.

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Wir haben viele V I S I O N E N für unser Saatgut­ Projekt und freuen uns über Menschen, die mit­machen wollen und eigene Ideen einbringen!

K O N T A K T  Janun Göttingen e.V. Geiststr. 2 • 37073 Göttingen

Während der Garten­-Saison sind wir freitags ab 15h in unserem Garten am Siekweg/Ecke
Sollingstraße in Göttingen­-Grone anzutreffen!